GELBSTICH 7: Disco as usual

2009 Mai 8
by Mas09

sinstuggikompletkein1Stuttgart vs. Dortmund

Spiele in Stuttgart – dazu vermag einem das Gedächtnis nicht unbedingt helfend zur Seite stehen, wenn man eine packende Einleitung für diesen Klassiker schreiben möchte. Es ist vielmehr so als ergäben die zahllosen Stadionbesuche am Neckar ein riesiges nicht enden wollendes Spiel. Vor allem weil das Umfeld, die Athmosphäre, das Neckarstadion sich so spektakulär unspektakulär geben. Da verwächst innerpsychisch ein Besuch in Cannstatt mit dem nächsten, bis alles zu einem tristen Brei verschmolzen ist.
Der vergangene Samstag fügt sich nahezu widerstandslos in diese Regelmäßigkeit.

Wer die größte Diskothek der badenwürttembergischen Landeshauptstadt in der Pragstraße 120 vermutet, dem sei ein Besuch in der Mercedesstraße 87 nahe gelegt.
Das Etablissement besticht durch einen naturgrün gehaltenen Floor, Alkohol reduzierte Getränke und einen weitläufigen VIP-Bereich. Die Türsteher gelten als gemäßigt. Wichtig scheint allerdings ein angemessener Dresscode. In unserem Bereich des Tanzschuppens trug man den feinen schwarzgelben Zwirn, während der überwiegende Rest sich in weißrot hüllte.
Die Auswahl der Musiktitel wirkte etwas altbacken, aber dafür abwechslungsreich. Von Punk bis zu jeder Mänge Volklore dröhnte alles erdenkliche aus der beeindruckenden Anlage.

Der Anpfiff (man hätte ihn fast überhört)! Weit entfernt kann man ein paar Zwerge beim Fußballspielen beobachten. Halb taub vom unfreiwilligen Diskobesuch, aber schockiert von der neugewonnen Stille, wird Liedchen um Liedchen geschmettert. An die Lautstärke der zuvor vernommenen Großraumdiskothek kommen die gut 5000 schwarzgelben Kehlen allerdings nicht heran. Apropos Kehl(en), der fehlte nämlich aufgrund von akuter Gelbsucht. Zurück aus der Intensivstation war hingegen Borussen-Legende Dede. Alex Rekordtorschütze Frei spielte nicht von Beginn an.
Hier die Aufstellung des Gastgebers:
Jens Die Fotze Lehmann; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez; Gomez

Auf das Spielgeschehen können, dürfen und wollen wir nicht näher eingehen.
Können – weil wir vom Rasentanz nur bedingt visuele Kenntnis nehmen konnten, eine Kilometer lange Tartanwüste erschwerte die Sicht. Dürfen – weil wir, bei der gewohnt detaillierten und lebendigen Spielbeschreibung, medienrechtliche Schritte befürchten. Und wollen – weil wir nicht wollen.

Ohnehin viel interessanter als ein öder Spielbericht, sind die Hampelmänner jenseits des grünen Floors. Am Horizont erkennt man eine Horde Halbstarker, die sich in der Unschärfe der Weite, mit ihren dürren Ärmchen an ein gelbes Stück Stoff klammern. Es handelt sich, soviel konnte man erkennen, um ein vermisst geglaubtes Utensil unserer BVB Sympathisanten aus dem Bankgeheimnis-Land. Auf Finderlohn müssen die tapferen Burschen auf der anderen Seite allerdings verzichten. Im Gegenzug hatte man bei den schwarzgelben nämlich eine ganze Reihe von schwäbischen Fundstücken bestaunen können.

Sonst war aber wirklich alles wie immer. Auch die letzten zwei sportlichen Ausrutscher in Stuttgart sind längst vergessen.
Alles ist wie immer!


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