GELBSTICH 6: 10 Euro für einmal Oben-Ohne!
Die Stimmung während der Anreise konnte eine gewisse Verunsicherung nicht leugnen. Zu ungewiss war was uns erwarten würde, zu viel lag im Argen. Wir hatten wie gewohnt darauf verzichtet uns rechtzeitig mit Karten einzudecken. Die Wetterprognosen und die Frase vom „restlos ausverkauften Stadion“ machten aus dem Freitagabend Ausflug eine Rechnung mit zwei Unbekannten.
Das Wildparkstadion am Adenauerring ist in den idyllischen Karlsruher Hardwald gebetet. Verbergen kann der 50iger Jahre Bau seine Historie nicht. Die Zeit hinterließ einige Narben ,im kalten grauen Beton. So puristisch der Wildpark erscheint, auf eine gewisse Art versprüht er Charme. Neben den WM-Arenen erscheint die Fußballwelt an diesem Schmucklosen Ort noch ein wenig ehrlicher und weniger käuflich.
Nach kurzer Stärkung im einzigen Fachgeschäft der Stadt für teutonisch-osmanische Speisen, ergatterte man sich ermäßigungsfreie Karten für je 10 Euro. Ein weiterer Beweis für den inhaltlichen Verlust einzelner Worte durch überproportionale Verwendung. „Restlos“, verkommt zur bedeutungslosen Buchstabenhülse und reiht sich nahtlos neben Hassgipfel, Derby und Hexenkessel in die Reihe des fußballerischen Sprachsondermülls. Die zweite Unbekannte, das Wetter, beeinträchtigte den Fußballabend zwar durch beißende Kälte, wir versanken jedoch nicht, wie angekündigt, im Neuschnee.
Wer sich die Zeit bis zum Spielbeginn mit dem ein oder anderen frisch gezapften badischen Bier versüßen wollte, wurde bitter enttäuscht. Die namhafte Brauerei zierte zwar jeden Zentimeter des Verkaufsstandes, ausgeschenkt wurde aber und das auch mit Verzögerung nur eine alkoholfreie Brühe. So wurden die übrigen Minuten bis zum Anpfiff eine quälend lange Angelegenheit. Den Höhepunkt der Warterei markierte der musikalische Tiefpunkt des Abends. Die Liebeserklärung einer Frau mit Fistelstimme an ihren KSC, untermalt mit Disco-Schlager-Klängen, sorgte für Kopfschütteln im Gästeblock.
Der KSC legte engagierter los und erarbeitete sich als bald auch die ersten Chancen des Spiels. Dortmund kam langsam besser ins Spiel und einer der ersten Vernünftigen Angriffe landete prompt in den Zusammenfassungen der TV-Anstalten. Hajnal legte den Ball, für den sonst glücklosen, aber in dieser Szene starken Zidan, in die Mitte. Der Ägypter beweist sein Geschick und spitzelt den Ball ins Netz (20min). Celozzis Antwort folgte nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff. Sein Solo mit abschließendem Gewaltschuss konnte unserem Schlussmann heute allerdings nicht gefährlich werden. Hajnal hätte noch in Hälfte Eins gegen seinen Ex-Klub auf O:2 erhöhen können, scheiterte allerdings am KSC-Torhüter Miller.
Der zweite Durchgang begann wieder mit einem starken Karlsruher Sportclub, der jedoch immer wieder in Roman Weidenfeller seinen Meister fand. 10 Minuten nach dem Wechsel entwischte Kuba der blauen Hintermannschaft, versäumte es jedoch im richtigen Moment Abzuziehen. 03+01 Minute später verpatzte Zidan die Zwei-Tore-Führung, weil er sich für einen Querpass entschied, anstatt es selbst zu versuchen. Eine solide Abwehrleistung und ein starker Weidenfeller reichten um die Führung über die Zeit zu bringen.
Der Oben-Ohne-Block E1 entpuppte sich, wie bereits in der Vorsaison, als Wundertüte mit Handicap. Schon der Temperaturen wegen war viel Bewegung in der Kurve. Vorweihnachtliches Liedgut aller Jingle Bells aber vorallem der neue Dauerbrenner zur Melodie von „Im Wagen vor mir…“ waren die Kronzeugen, einer insgesamt starken Stimmungsleistung. Nicht anders zu Erwarten, aber dennoch ärgerlich war die doppelte Leibesvisitation auf ein Neues. Es gibt nicht ein schlüssiges Argument dafür wieso man innerhalb einer Minute oder etwa 20 Metern diese Tortur gleich zweimal erdulden muss. Oder werden an den Büdchen rund um die marode Arena, zwar kein Bier, aber dafür Handfeuerwaffen verkauft? Als ich recht ermattet zu Bett ging, spreizte ich meine Arme jedenfalls reflexartig und wunderte mich über die fehlende Kontrolle.
Hier ein paar visuelle Eindrücke aus dem beschaulichen Karlsruhe:


