GELBSTICH 5: IMPRESSIONEN,EMOTIONEN,INSOLVENZ

2008 November 3
by Mas09

Cologne Cologne verschollen am Dom!

Das Gelände wirkt noch etwas verlassen. Verkäufer befreien gemächlich ihre Würstchenbuden von ihrem Dornröschenschlaf. Noch deutet, abgesehen von dem bereits in Reihe und Glied gebrachtem Grillgut, nichts auf den baldigen Besucheransturm hin.

Es ist noch Zeit, viel Zeit bis zum Spiel.

Der lang geplante Dombesuch entfiel nach gegenseitigem Einvernehmen aufgrund akuter Lustlosigkeit. Schließlich waren kaum 30 Minuten vergangen, seit wir hetzender Weiße, zunächst halb Köln auf der Suche nach öffentlichen Toilette und später die andere Hälfte der Stadt auf der Suche nach dem Stadion durchforstet hatten. Dabei überquerten wir unzählige Male den Rhein und fuhren um den Dom bis uns schlecht wurde. Jener Odyssee ging noch ein kurzes Intermezzo in einer gewaltigen Blechlawine, nahe unserer ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn, voraus. Man beschloss, um etwas Zeit zu überbrücken und den Magen zu beschäftigen, einen Aufenthalt in einem nahe gelegenen amerikanischen Restaurant.

So flogen die Stunden ins Land. Zwei etwas zwielichtige Gestalten, deren Bomberjacken wohl über eventuelle Trainingsrückstände hinwegtäuschen sollten, boten uns erstaunlich preiswerte Karten an. Ein passendes Hotel war ebenfalls im Handumdrehen gefunden. Das Etablissement bestach durch seine Zentrale Lage und sein freundliches Personal. Die Rezeptionistin bewies ihre kommunikativen Fähigkeiten bereits beim ersten Kontakt. Leider störten wir sie wohl bei einem wichtigen Kundengespräch, weshalb sich die Angelegenheit etwas verzögerte.

Gegen 18 Uhr brach man wieder auf und bereits 20 Minuten später und 4,50 € ärmer stand man, mit lecker alkoholfreiem Kölsch im Magen, in mitten des noch spärlich gefüllten Gästeblocks. Man wurde, wie es der moderne Fußballfan gerne hat, auf höchstem Niveau unterhalten.
Neben einer Vielzahl Verbrauchertipps gab es auch eine Lesbe im Strampelanzug und jede menge anderen Nippes zu bestaunen. Etwas verhaltener als sonst begrüßte man Torwart Weidenfeller und wunderte sich wie viele Menschen auf einem Quadratmeter stehen können.

Die Sache mit dem Atmen wird ohnehin etwas überschätzt. Sorgen machte man sich dann eher um den Turbo-Polen Kuba, der beim Aufwärmen noch auf seine Maske verzichtet hatte. Zu klar waren noch die Erinnerungen an das Blutbad vom letzten Wochenende. Es galt solche Szenen, wie aus Terentino Filmen bekannt, zu vermeiden.

Anpfiff! Kuba mit Maske ! Dortmund in Schwarz und Gelb! Die Welt war in Ordnung.

Die 5.500 (vielleicht 6.000) Anhänger die ihrer Borussia gefolgt waren sahen ein rassiges Spiel ihrer Mannschaft mit Chancen im Minutentakt. So war man zufrieden und machte mächtig Zinnober im Gästeblock. Besonders wenn die beiden Oberränge mit zogen wurde es richtig laut. Vom FC sah man wenig und seine Fans hielten sich ebenfalls vornehm zurück. Es spielte Borussia. Der Dortmunder Dauerangriff wurde erst in Hälfte zwei ,durch Florian Kringe, entlohnt. Nun brannte die Luft im hoffnungslos überfüllten Gästeblock. Vielleicht war es das Kölsch, vielleicht die starke Leistung der Mannschaft, vielleicht das Flutlicht oder all das zusammen was die Stimmung so beflügelte.Das Paket aus Mannschaft und Fans wusste jedenfalls zu gefallen.

Einige Wirrköpfe forderten in bester EM-WM-Haste-Nich-Gesehn-Manier ,nach dem man die Mannschaft brav verabschiedet hatte, die Spieler noch zum „HIIIIINSEEETZZZEEENN“ auf. Wo wir beim leidigen Humba-Thema wären; mal davon abgesehen dass diese Art der Huldigung ohnehin jeden Reiz verloren hat, wir spielten gegen einen Aufsteiger und gewannen mit einem Tor unterschied. Fordert man demnächst nach einem 2:0 Testspielsieg gegen Wanne-Eickel die Spieler auch schon zum Tanz? Nur weil wir Klopp auf der Bank haben brauchen wir keine Mainzer Verhältnisse.

Dennoch ging man einigermaßen glücklich und erschöpft zu Bett. Die Rückfahrt verlief im Vergleich zur Anreiße reibungslos.
Was bleibt ist die, Vorfreude schnürende, Erinnerung und eine mikrokosmische Finanzkrise auf dem eigenen Konto.

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