Politik und Gesellschaft

2008 Oktober 22
by Mas09

Mehr Kapitalismus wagen!

Nach jener scheinbar antiquierter und ferner kaum noch gesellschaftsfähigen Floskel, die eigentlich ,wenn vielleicht auch nicht inhaltlich gänzlich falsch, besser temporär at akta gelegt werden sollte, titulierte Friedrich Merz sein neustes Buch. Dem einigermaßen unglücklichen Namen des Werkes wohnt noch der Auswuchs, „wege zur einer gerechteren Gesellschaft“ bei. Nach unbestätigten Gerüchten plant der ehemalige Wirtschafts- und Finanzexperte der Union, noch weiter Veröffentlichungen. AZDO liegt exklusiv eine Liste der noch unfertigen Werke vor.

Zertifikate – ein sicheres Geschäft

Ausgeglichener Haushalt 2008 – Kein Problem!

Die Lehmann Brothers – Eine amerikanische Erfolgsgeschichte

Während die drei letzten Titel auf die Kappe des amüsierten Autors gehen, meint es Herr Merz, mit seiner Bibel für die Freiheit der Märkte, tatsächlich ernst. Die Problematik, um den Bezug auf das Thema dieses Blogs herzustellen, ist allerdings, dass der gelernte Jurist seit 4 Jahren Mitglied im Wirtschaftsrat unserer geliebten Borussia aus Dortmund sitzt. Deshalb von Borusse zu Borusse:

Lieber Herr Merz, die Bierdeckelsteuer war wirklich eine sensationelle Idee und generell gibt es auch nichts gegen eine gesunde Deregulierung der Märkte einzuwenden, aber der Zeitpunkt der Veröffentlichung erscheint doch etwas fragwürdig. Vielleicht ist in sechs oder sieben Monaten ja wieder alles in Margarine (Substitutionsgut für Butter) und die Menschen sehnen sich nach Wirtschaftsliberalismus. Im Moment sieht es doch eher so aus als würde ihr Buch, schon wegen des Titels, ein Ladenhüter. Denn gerade ist es nun mal schick die Politik und ihren Siegeszug über die Finanzwelt zu feiern und zu würdigen. Man spricht von scharfen Kontrollen und riesigen Rettungspaketen. Man rettet Banken um die Welt zu retten und überlässt sie nicht sich selbst.

Wieso also so idealistisch? Wieso nicht in das selbe Horn der Schizophrenie blasen wie ihre Parteikollegen? Oder haben Sie ihr Schiffchen schon der Art im Trockenen, dass sich ihr Buch gar nicht mehr verkaufen muss? Es ist bestimmt möglich das Werk noch vom Markt zu nehmen und etwas passenderes zu schreiben. Vielleicht blüht Ihnen dann noch eine postpolitische Karriere als Lebensberater und sie konkurrieren mit Dieter Bohlen. Besonders beliebt sind auch Bücher über Körperhygiene, hier scheinen die Zeiten, für Liberalisierung, besser zu sein. So darf man jetzt, wenn man möchte, dank „Feuchtgebiete“, frei von allen gesellschaftlichen Zwängen stinken. Das ist Liberalismus der sich verkauft.


Bisher keine Kommentare

Eine Antwort schreiben

Note: You can use basic XHTML in your comments. Your email address will never be published.

Diesen Kommentar-Feed via RSS abonnieren.