Blog it!
Alles wird einmal vorübergehen
Gerade als ich diesen Satz schreibe schleppt sich ein älterer Herr an der Schaufensterfront vorbei. Sein Gang besitzt nichts mehr von jugendlicher Grazie, vielmehr wirkt die Darbietung wie ein erbitterter Kampf gegen die Schwerkraft. Ein Krieg mit veralteten Waffen gegen eine allgegenwärtige Übermacht. Ich denke an den Kaukasus und bemerke wie sich meine kritische Mimik in ein breites Grinsen wandelt. Tod, Vergänglichkeit und Krieg dominieren meine Gedanken und ich grinse hier fröhlich vor mich hin. Ich befehle mir dieses Grinsen zu unterlassen und konzentriere mich wieder auf das Ausgangsthema. Der Alte zerrte seinen trägen Körper längst aus meinem Blickfeld. Ich betrachte das dekorative Blumengesteck. Es steht am äußersten Rand meines Tisches. Als könne ich meinen müden Augen dadurch einen Vorteil verschaffen, presse ich sie etwas zusammen. An einer der unteren Blüten mache ich scheinbare Spuren von Verwelgung aus. Wieder dieses Grinsen. Jetzt habe ich meinen einleitenden Vergleich und eine Niederschrift über das Prinzip der Vergänglichkeit wirkt am Beispiel einer Pflanze auch weniger makaber. Ich freue mich für den Alten.
Hinter mir liegen nun mehr sechseinhalb Wochen von denen zumindest viereinhalb meinen Erwartungen entsprachen. Eine schöne Zeit. Das wirklich schöne daran ist eigentlich die Gewissheit nach einer Woche noch fünf weitere zu erleben. Aber die Tage fliegen ins Land und am letzten dieser Tage ertappt man sich, dann sinnierend in einem Sumpf aus Selbstmitleid. Mein Blick fällt wieder ans Ende des Tisches. Ich beneide das welke Gestrüpp um seine Primitivität, weil ich mir nicht vorstellen kann das es sich seines Baldigen Ablebens bewusst sein kann. Uns Menschen ist das im Übrigen auch nicht ständig im Sinn. Weil uns der Gedanke an die Vergänglichkeit des Seins mit Unbehagen erfüllt. Dabei begegnet uns die eigentliche Methodik dieses Prozesses ständig.
So quittiert in diesem Moment meine USB-Maus ihren Dienst, nicht weil sie alt oder krank wäre, nein das geschieht nur weil sie aus einem fernen Land Namens China stammt. Dort wurde sie von Menschen zusammengebaut, die so wenig verdienen das mein bescheidener Kontostand ihnen 5 Jahre ihres Lebens finanzieren könnte. Mit einem Kunstwurf landet der Panikkauf in einem Sammelbehälter für Ausgedientes. Jedes einzelne Stück könnte als Korpus Delikti für die Existenz meiner Theorie herangezogen werden. Genau wie asiatische Multimedia Artikel ergeht es nahezu allem was einem im Leben begegnet. So verhält es sich also auch mit Statistiken. Da wundert es niemanden mehr das auch die vier Pflichtspiele ohne Niederlage diesem Wandel unterliegen werden. Wieso sollte dieser um den geliebten Verein einen Bogen machen, wenn er sich doch ohnehin und gerade jetzt alles nimmt was einem ans Herz gewachsen ist. Dabei reicht die Spanne von der schon jetzt schmerzlich vermissten Freizeit, über den Alten den ich zwar nicht kannte, der mir aber als männliche Muse diente, bis hin zu dem Gesteck, welches noch immer in der Ecke des Tisches kauert. Gerade als ich die Derbyniederlage aufgrund dieser hart untermauerten These schon für unabdingbar halte, entdeckte ich plötzlich eine verräterische Naht am Stiel des Gewächses.
Es handelt sich augenscheinlich um eine Plastikblume. Ein Imitat der Wirklichkeit, ein starres der Vergänglichkeit trotzendes Abbild des Lebens. Ich hege den Wunsch unseren gesamten Kader in Blastick zu gießen und so dem Unumgänglichen zu entfliehen. Ich grinse.